Red Lions-Captain Schnyder: „Am schlimmsten ist die Ungewissheit“

Red Lions Reinach, Schnyder, Simon

Simon Schnyder ist Captain der Red Lions Reinach. Im Interview mit unserem Medienpartner WYNENTALER BLATT spricht der 33-Jährige über Gegenwart und Zukunft des Klubs.

Red Lions Reinach, 2020/21, Schnyder
Simon Schnyder

Der Coronakrise kann niemand Positives abgewinnen, doch Simon Schnyder ist überzeugt, dass die Red Lions Reinach gestärkt daraus hervorgehen. „Die Probleme haben uns als Team zweifellos weiter zusammengeschweisst“, sagt der Reinacher Routinier und kann diese Aussage belegen. Obwohl das Training seit dem 16. November auf Freiwilligkeit beruht (und keine Entschädigungen fliessen), sind fast alle Spieler fast immer präsent.

Es sind schwierige Zeiten für den Sport und seine Protagonisten, wenn einem praktisch über Nacht alles Liebgewordene einfach weggenommen wird. Während im Kanton Bern viele Eisflächen gleich abgetaut wurden, darf im Kanton Aargau zumindest in kleinen Gruppen weiterhin trainiert werden. „Das Salz in der Suppe sind natürlich die Spiele und damit der Spass am Eishockey“, sagt Simon Schnyder, „am schlimmsten ist aber die Ungewissheit, wie es weitergeht.“. Das Wynentaler Blatt hat dem Captain des Aargauer Erstligisten auf den Zahn gefühlt.

WB: Wie war die Stimmung im Team, als der Meisterschaftsbetrieb im Oktober plötzlich und auf unbestimmte Zeit eingestellt wurde?

Simon Schnyder: Irgendwie standen alle unter Schock, sah es doch lange danach aus, dass man unter Einhaltung aller Schutzmassnahmen weiterspielen könnte. Ich ziehe den Vergleich mit einem Kind. Man zeigt ihm ein Spielzeug, verbietet ihm aber, damit zu spielen.

WB: Sämtliche 12 Teams der Ostgruppe hatten Coronafälle zu beklagen und mussten zeitweise in Quarantäne. Von einem geordneten Meisterschaftsbetrieb kann da nicht die Rede sein.

Simon Schnyder: Das ist in der Tat so. Stand jetzt soll es im Januar weitergehen, aber die nach wie vor viel zu hohen Corona-Fallzahlen lassen das Gegenteil vermuten. Ich würde jedenfalls keine Wette eingehen, dass Bund und kantonale Behörden der Fortsetzung des Meisterschaftsbetriebes zustimmen. Das ist besonders für jene Klubs bitter, die den Aufstieg zum Ziel hatten, wie beispielsweise Frauenfeld und Wetzikon in unserer Gruppe.

WB: Die Pandemie machte auch vor den Red Lions nicht halt. Vor dem Auswärtsspiel in Herisau gab es positive Tests und anschliessend eine mehrtägige Zwangspause für das gesamte Team. Wurden die Schutzmassnahmen etwa nicht eingehalten?

Simon Schnyder: Wir reden hier von Amateuren, die tagsüber ihrem Beruf nachgehen und den Abend entweder in ihrer Familie oder in der Eishalle verbringen. Unser Schutzkonzept entsprach in jeder Beziehung den behördlichen Bestimmungen. Was am Arbeitsplatz oder in der Familie passiert, steht auf einem anderen Blatt und lässt sich nicht nachprüfen. Anstecken kann man sich immer und überall. Im übrigen hatten unsere Coronafälle – mit einer einzigen Ausnahme – keinerlei Krankheitssymptome und sind allesamt genesen.

WB: Seit dem 16. November trainiert das Team in Gruppen, auf freiwilliger Basis und das ohne finanzielle Abgeltung. Haben das alle Spieler anstandslos akzeptiert?

Red Lions Reinach, Schnyder, Simon
Captain Schnyder im Spiel gegen Bellinzona

Simon Schnyder: Aussergewöhnliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Massnahmen. Wir alle spielen nicht des Geldes wegen in Reinach, sondern aus Freude am Eishockey und weil hier ein echtes Team beisammen ist, das sportlich Qualität hat und etwas erreichen kann. In einer solchen Krise heisst es zusammenrücken und alles zu tun, um die Existenz des Klubs zu sichern. Es gibt Studenten in der Mannschaft, die auf jeden Franken angewiesen sind. Für sie haben wir mit Geld aus der Teamkasse ein kleines Paket geschnürt, falls Hilfestellung nötig wäre. Bis jetzt ging es noch ohne Zustupf, aber so funktioniert das Teamdenken.

WB: Gehen wir vom Horrorszenario, dem definitiven Abbruch der Saison 2020/21, aus. Was würde das für die einzelnen Spieler und für den Klub bedeuten?

Simon Schnyder: Entscheidend sind Transparenz und ehrliche Kommunikation zwischen Klubführung und Spielern. Die Einhaltung von vertraglichen Vereinbarungen werden in einem solchen Fall natürlich zur Makulatur. Jeder hat Verständnis, dass die Situation einschneidende Massnahmen erfordert. Der eine oder andere Spieler müsste den Lohnausfall zweifellos mit einer anderen Tätigkeit kompensieren. Eines kann ich an dieser Stelle aber exklusiv verraten: 17 Spieler haben ihren Vertrag bei den Red Lions schon jetzt vorzeitig verlängert. Ich selber übrigens auch. Die Mannschaft von 2021/22 ist damit schon weitgehend beisammen. Das ist auch ein Vertrauensvorschuss für die Klubführung. Wir können ihre Arbeit zwar nicht übernehmen, gehen aber davon aus, dass der Vorstand genauso hart kämpft, um die Zukunft des Klubs sicherzustellen.